Freimaurer im Wandel der Zeit- von der Gründung bis heute
Freimaurerei ist eine kosmopolitische, internationale Bewegung, die sich den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlt und sich auf Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität beruft. Die Freimaurer sind in Logen organisiert, zu denen Menschen aller sozialen Schichten und Bildungsgrade freien Zugang haben. Die Freimaurer verpflichten sich zu karitativer Arbeit und Förderung von Kultur und Aufklärung. Die Mitglieder sind zur Verschwiegenheit über freimaurerische Rituale, Kulturcodes und private, vertrauliche Informationen über andere Mitglieder verpflichtet. Dieser Schutz der Privatsphäre ist für Freimaurer die Grundvoraussetzung für freien Ideenaustausch und Schutz der freien Meinung. Die modernen Freimaurer sind heute weltweit als eingetragene Vereine tätig, deren Organisationsstrukturen keineswegs geheim sind, weshalb man die Freimaurer auch nicht als Geheimbund betrachten kann. Satzungen der Freimaurer sind in Archiven und Bibliotheken für jedermann frei zugänglich. In jedem Land gibt es mindestens eine übergeordnete Grossloge. Nicht anerkannte Logen heissen Winkellogen. Die Logen wählen Logenmeister (Meister vom Stuhl) und Logenbeamte für eine bestimmte Zeit, die Grosslogen alljährlich den Grossmeister und seine Beamten. Die Logenmitglieder nennen sich selbst Brüder und können in einem festen Stufensystem (Grad) aufsteigen. Die ersten drei Grade sind Lehrling, Geselle, Meister. Darauf bauen die Hochgrade auf.
Die Bezeichnung Freimaurer ist eine Lehnsübersetzung, die auf das englische "freemason" zurückgeht. Über die Ursprünge der Freimaurer gibt es ganz unterschiedliche Theorien und Legenden: Einige sahen in der Freimaurerei eine Fortführung der antiken Mysterienkulte, Andere glaubten, die Freimaurer setzten die Tradition der Templer fort. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, daß Einflüsse der antiken Mysterienkulte, der jüdischen Geheimlehre der Kabbala und der Gnostik Eingang in Rituale der Freimaurer fanden. Doch im allgemeinen ist man sich heute darüber einig, daß die Freimaurer auf mittelalterliche Bruderschaften der Steinmetze zurückgehen. Die Tradition eines ganz bestimmten Kulturcodes, von Erkennungszeichen und Symbolen geht jedenfalls auf diese Bruderschaften zurück, und sie sind noch heute bei den Freimaurern lebendig. An der Spitze einer Bruderschaft stand der "Stuhlmeister" als gewählter Vorsteher, der Streitigkeiten zu schlichten hatte und alljährlich neu gewählt wurde. Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts schlossen sich in England auch gebildete Laien als "akzeptierte Maurer" (accepted masons) den Logen an. Für die Aufnahme waren weder Stand, noch Bildung entscheidend, sondern einzig und allein die individuelle Eignung. Adel und Bürgertum begegneten sich auf einer Ebene, und die Freimaurer trugen erheblich zum Abbau von Standesunterschieden bei. Solche Vereinigungen lassen sich bereits für 1600 nachweisen, doch gilt allgemein unter Freimaurern 1717 als Gründungsdatum, als sich vier Werkmaurerlogen aus London und Westminster zur ersten Grossloge von England zusammenschlossen und einen gemeinsamen Großmeister wählten. Der Prediger Anderson formulierte als erster Grossmeister 1723 die erste freimaurerische Verfassung. Diese "Alten Pflichten" regelten das Verhältnis der Mitglieder untereinander und die Verhältnisse zu Politik und Religion. Anderson schloss Frauen ausdrücklich von der Teilnahme aus. Das Ritual der Freimaurer wurde nach Gründung der ersten Grossloge bedeutend erweitert und das Aufnahmeritual in drei Teile gegliedert. Daraus entstanden um 1730 die noch heute gültigen Grade der Lehrlinge, Gesellen und Meister.
Die Blütezeit der Freimaurer war sicher das 18. Jahrhundert, und bald schon entstanden auch in anderen europäischen Ländern Freimaurerlogen, denen viele namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur angehörten. Friedrich II. von Preussen war ebenso Freimaurer wie sein Schwager Herzog Ferdinand von Braunschweig- Wolfenbüttel- Bevern, der im Siebenjährigen Krieg die alliierte britisch- hannoversch- hessische Armee komandierte. Freimaurer waren auch Thomas Paine, George Washington, La Fayette, Blücher, Scharnhorst, Hardenberg, Theodore Roosevelt, Stresemann und Aristide Briand. Bekannte Künstler und Intellektuelle, die der Freimaurerei nahe standen, waren Voltaire, Lessing, Schiller, Haydn und Mozart, der in seiner Oper "Die Zauberflöte" die wohl bekannteste Hommage an die Freimaurerei hinterliess. Ein bekannter Freimaurer aus jüngster Zeit war der ehemalige Ministerpräsident von Hessen, der letztes Jahr verstorbene Holger Börner. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gerieten einige Logen unter den Einfluß esoterisch mystischer Vereinigungen wie der Rosenkreuzer und Illuminaten.
Ihre kosmopolitische und freigeistige Einstellung, ihr Engagement für Toleranz und Humanität machte die Freimaurer freilich auch suspekt in den Augen konservativ- reaktionärer Kreise. Die Freimaurer galten vielerorts als Geheimbund und Geheimorganisation, die die bestehende soziale Ordnung vernichten wollte. Bereits um 1786, kurz zuvor waren die Illuminaten in Bayern verboten worden, kursierte das erste Pamphlet über die Freimaurer, das von einem anonymen Autor als "Enthüllungen des Systems der Weltbürger- Politik" veröffentlicht wurde. Dabei handelte es sich um ein Werk des Weimarer Regierungsangestellten Ernst August von Göchhausen, der eine Horrorvision weltweiter Revolutionen beschrieb, die einzig und allein den Freimaurern anzulasten waren. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution schienen sich solche und ähnliche Vorurteile über die Freimaurer zu bestätigen. Das Motto der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" schien geradezu ein Rückgriff auf freimaurerische Parolen zu sein. Wie bereits erwähnt, waren viele namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur bekennende Freimaurer, so erklärte sich der Vorwurf, dass es sich bei den Freimaurern um einen Klüngel handele, der lediglich die eigene Karriere im Auge habe und die bestehende Sozialordnung vernichten wolle.
Gegner der Freimaurer
Bis heute sind die Freimaurer bei totalitären Ideologien überhaupt nicht beliebt, und im Dritten Reich, ebenso wie im faschistischen Italien und Spanien, der Sowjetunion und der DDR waren Freimaurerlogen verboten. Verboten sind sie, was wohl nicht verwunderlich ist, auch in fast allen islamisch regierten Staaten. Die islamistisch radikale Organisation Hamas hat sich die Verfolgung von Freimaurern sogar besonders auf ihre Fahnen geschrieben, und auch die katholische Kirche verbietet bis heute ihren "Schäfchen" die Mitgliedschaft in Freimaurerlogen. In päpstlichen Bullen erscheint das Freimaurertum als "Kirche Satans", und die Freimaurer wurden für so furchtbare Dinge wie Trennung von Kirche und Staat, Aufklärung, Liberalismus und Sozialismus. Bereits im 18. Jahrhundert wurden die Freimaurer vielerorts verboten: 1731 im Königreich Neapel, 1734 in Polen, 1735 in den Generalstaaten der Niederlande, 1737 in Frankreich und 1738 in den Ländern des Habsburgerreichs. 1738 sprach Papst Clemens XII. den Bann gegen die Freimaurer aus, den mit schöner Regelmäßigkeit Nachfolger wie Pius IX. und Leo XIII erneuerten. Gegner der Freimaurer waren auch konservativ- reaktionäre Kreise. Der größte unter ihnen war zweifellos Erich Ludendorff. Er galt als Weltkriegsheros, und als Generalquartiermeister und zweiter Mann nach Hindenburg war er de facto der Kopf der 3. OHL (Oberste Heeresleitung) im I. Weltkrieg, der seinen Chef Hindenburg bald in den Hintergrund spielte. Ludendorff war zweifellos ein überaus fähiger Generalstabsoffizier, aber auch kalt, zynisch und brutal. Er propagierte eine Kolonisierung der von den Deutschen eroberten Gebiete des Zarenreichs und den "totalen Krieg". Nach dem I. Weltkrieg war er einer der Apologeten der Rechtsradikalen und als Galionsfigur an Hitlers Putsch von 1923 beteiligt. In Ludendorffs Weltbild spielten die Freimaurer neben den Juden eine zentrale Rolle als Feinde. Er war Anhänger einer "Dolchstoßlegende", wonach die militärisch unbesiegten deutschen Armeen durch eine Verschwörung von Freimaurern, Juden und Sozialisten verraten wurden. Diese seien schuld daran gewesen, dass Deutschland den Krieg verloren hatte, und Ludendorff gefiel sich bald nach dem Krieg in den absurdesten Verschwörungstheorien.
Freimaurer und Juden machten auch die russischen Nationalisten für den Sturz des Zarenreiches verantwortlich. Als "Beweis" für ihre obskuren Verschwörungstheorien mussten dann die "Protokolle der Weisen von Zion" herhalten, eine bedeutende antisemitische Schrift, von der man heute weiß, dass sie von Mitgliedern des zaristischen Geheimdienstes "Ochrana" und von exilrussischen Revanchisten selbst gefälscht wurden.
Die Protokolle der Weisen von Zion hatten auch erheblichen Einfluss auf das Denken des Nazichefideologen Alfred Rosenberg. Nach den Juden und den Kommunisten galten die Freimaurer den Nazis als ihre größten Feinde, und Hitler, Himmler und Heydrich betonten immer wieder, dass die Freimaurer vernichtet werden müssen.
In diesem Punkt waren sie übrigens mit den Kommunisten einer Meinung. Toleranz, Humanität, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, das waren Ideen eines "bürgerlichen Liberalismus", der natürlich der Errichtung der "Diktatur des Proletariats" diametral gegenüberstand. Die einzige Ausnahme unter den kommunistischen Staaten bildete Kuba, wo Fidel Castro die Freimaurer nicht verbot.
Entsprechend gross war daher auch die Zahl der von totalitären Regimes, Nazis wie Kommunisten gleichermassen, eingekerkerten oder ermordeten Freimaurer. Dazu gehörten der Journalist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzki, der Politiker Julius Leber und der Gewerkschafter Wilhelm Leuschner. Zu einem ein kuriosen Ereignis kam es 1943, als im KZ Esterwegen belgische Widerstandskämpfer eine Freimaurerloge namens Liberte´ cherie gründeten.
Freimaurer heute
Während es vor dem Krieg 80.000 männliche Mitglieder gab, die in Freimaurerlogen organisiert waren, so sind es heute in Deutschland nur noch 14.000. Freimaurerlogen sind in der Regel wie bürgerliche Vereine organisiert, denen ein Vorsitzender (Meister vom Stuhl) und ein Stellvertreter (Erster und Zweiter Aufseher) vorstehen. In Deutschland sind heute fünf Grosslogen organisiert, die von der Vereinigten Grossloge von England anerkannt sind. Freimaurerlogen sind heute übrigens keine reine Männerdomäne mehr. So gibt es in Deutschland und Frankreich gemischtgeschlechtliche und rein feminine Freimaurerlogen. Unter diesen ist die "Frauengroßloge von Deutschland" von den Vereinigten Großlogen von Deutschland anerkannt. Die liberalen Dachverbände werden vom "Groß Orient von Frankreich (GOdF) anerkannt, dazu gehören auch die gemischtgeschlechtlichen Grosslogen "Freimaurergroßloge Humanitas", Le Droit Humain und der "Souveräne GrossOrient von Deutschland". Die Freimaurerlogen fühlen sich auch heute noch den Idealen der Aufklärung verpflichtet. Eine wichtige Rolle bei der "Verbreitung der Aufklärung" spielt heute ihr Engagement in der Erwachsenenbildung. So sind sie sehr engagiert bei Volkshochschulen tätig, bieten Kurse über Freimaurerei an, veranstalten Tage der offenen Tür und Vorträge. Viele Logen organisieren Büchersammlungen, um sie unentgeltlich oder für wenig Geld Jugend- oder Bildungseinrichtungen zugute kommen zu lassen.
Wer sich für Freimaurer und ihre hochinteressante Geschichte interessiert, dem sei das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth und das Museum der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland im schleswig-holsteinischen St. Michelisdonn empfohlen.
Die Bezeichnung Freimaurer ist eine Lehnsübersetzung, die auf das englische "freemason" zurückgeht. Über die Ursprünge der Freimaurer gibt es ganz unterschiedliche Theorien und Legenden: Einige sahen in der Freimaurerei eine Fortführung der antiken Mysterienkulte, Andere glaubten, die Freimaurer setzten die Tradition der Templer fort. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, daß Einflüsse der antiken Mysterienkulte, der jüdischen Geheimlehre der Kabbala und der Gnostik Eingang in Rituale der Freimaurer fanden. Doch im allgemeinen ist man sich heute darüber einig, daß die Freimaurer auf mittelalterliche Bruderschaften der Steinmetze zurückgehen. Die Tradition eines ganz bestimmten Kulturcodes, von Erkennungszeichen und Symbolen geht jedenfalls auf diese Bruderschaften zurück, und sie sind noch heute bei den Freimaurern lebendig. An der Spitze einer Bruderschaft stand der "Stuhlmeister" als gewählter Vorsteher, der Streitigkeiten zu schlichten hatte und alljährlich neu gewählt wurde. Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts schlossen sich in England auch gebildete Laien als "akzeptierte Maurer" (accepted masons) den Logen an. Für die Aufnahme waren weder Stand, noch Bildung entscheidend, sondern einzig und allein die individuelle Eignung. Adel und Bürgertum begegneten sich auf einer Ebene, und die Freimaurer trugen erheblich zum Abbau von Standesunterschieden bei. Solche Vereinigungen lassen sich bereits für 1600 nachweisen, doch gilt allgemein unter Freimaurern 1717 als Gründungsdatum, als sich vier Werkmaurerlogen aus London und Westminster zur ersten Grossloge von England zusammenschlossen und einen gemeinsamen Großmeister wählten. Der Prediger Anderson formulierte als erster Grossmeister 1723 die erste freimaurerische Verfassung. Diese "Alten Pflichten" regelten das Verhältnis der Mitglieder untereinander und die Verhältnisse zu Politik und Religion. Anderson schloss Frauen ausdrücklich von der Teilnahme aus. Das Ritual der Freimaurer wurde nach Gründung der ersten Grossloge bedeutend erweitert und das Aufnahmeritual in drei Teile gegliedert. Daraus entstanden um 1730 die noch heute gültigen Grade der Lehrlinge, Gesellen und Meister.
Die Blütezeit der Freimaurer war sicher das 18. Jahrhundert, und bald schon entstanden auch in anderen europäischen Ländern Freimaurerlogen, denen viele namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur angehörten. Friedrich II. von Preussen war ebenso Freimaurer wie sein Schwager Herzog Ferdinand von Braunschweig- Wolfenbüttel- Bevern, der im Siebenjährigen Krieg die alliierte britisch- hannoversch- hessische Armee komandierte. Freimaurer waren auch Thomas Paine, George Washington, La Fayette, Blücher, Scharnhorst, Hardenberg, Theodore Roosevelt, Stresemann und Aristide Briand. Bekannte Künstler und Intellektuelle, die der Freimaurerei nahe standen, waren Voltaire, Lessing, Schiller, Haydn und Mozart, der in seiner Oper "Die Zauberflöte" die wohl bekannteste Hommage an die Freimaurerei hinterliess. Ein bekannter Freimaurer aus jüngster Zeit war der ehemalige Ministerpräsident von Hessen, der letztes Jahr verstorbene Holger Börner. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gerieten einige Logen unter den Einfluß esoterisch mystischer Vereinigungen wie der Rosenkreuzer und Illuminaten.
Ihre kosmopolitische und freigeistige Einstellung, ihr Engagement für Toleranz und Humanität machte die Freimaurer freilich auch suspekt in den Augen konservativ- reaktionärer Kreise. Die Freimaurer galten vielerorts als Geheimbund und Geheimorganisation, die die bestehende soziale Ordnung vernichten wollte. Bereits um 1786, kurz zuvor waren die Illuminaten in Bayern verboten worden, kursierte das erste Pamphlet über die Freimaurer, das von einem anonymen Autor als "Enthüllungen des Systems der Weltbürger- Politik" veröffentlicht wurde. Dabei handelte es sich um ein Werk des Weimarer Regierungsangestellten Ernst August von Göchhausen, der eine Horrorvision weltweiter Revolutionen beschrieb, die einzig und allein den Freimaurern anzulasten waren. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution schienen sich solche und ähnliche Vorurteile über die Freimaurer zu bestätigen. Das Motto der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" schien geradezu ein Rückgriff auf freimaurerische Parolen zu sein. Wie bereits erwähnt, waren viele namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur bekennende Freimaurer, so erklärte sich der Vorwurf, dass es sich bei den Freimaurern um einen Klüngel handele, der lediglich die eigene Karriere im Auge habe und die bestehende Sozialordnung vernichten wolle.
Gegner der Freimaurer
Bis heute sind die Freimaurer bei totalitären Ideologien überhaupt nicht beliebt, und im Dritten Reich, ebenso wie im faschistischen Italien und Spanien, der Sowjetunion und der DDR waren Freimaurerlogen verboten. Verboten sind sie, was wohl nicht verwunderlich ist, auch in fast allen islamisch regierten Staaten. Die islamistisch radikale Organisation Hamas hat sich die Verfolgung von Freimaurern sogar besonders auf ihre Fahnen geschrieben, und auch die katholische Kirche verbietet bis heute ihren "Schäfchen" die Mitgliedschaft in Freimaurerlogen. In päpstlichen Bullen erscheint das Freimaurertum als "Kirche Satans", und die Freimaurer wurden für so furchtbare Dinge wie Trennung von Kirche und Staat, Aufklärung, Liberalismus und Sozialismus. Bereits im 18. Jahrhundert wurden die Freimaurer vielerorts verboten: 1731 im Königreich Neapel, 1734 in Polen, 1735 in den Generalstaaten der Niederlande, 1737 in Frankreich und 1738 in den Ländern des Habsburgerreichs. 1738 sprach Papst Clemens XII. den Bann gegen die Freimaurer aus, den mit schöner Regelmäßigkeit Nachfolger wie Pius IX. und Leo XIII erneuerten. Gegner der Freimaurer waren auch konservativ- reaktionäre Kreise. Der größte unter ihnen war zweifellos Erich Ludendorff. Er galt als Weltkriegsheros, und als Generalquartiermeister und zweiter Mann nach Hindenburg war er de facto der Kopf der 3. OHL (Oberste Heeresleitung) im I. Weltkrieg, der seinen Chef Hindenburg bald in den Hintergrund spielte. Ludendorff war zweifellos ein überaus fähiger Generalstabsoffizier, aber auch kalt, zynisch und brutal. Er propagierte eine Kolonisierung der von den Deutschen eroberten Gebiete des Zarenreichs und den "totalen Krieg". Nach dem I. Weltkrieg war er einer der Apologeten der Rechtsradikalen und als Galionsfigur an Hitlers Putsch von 1923 beteiligt. In Ludendorffs Weltbild spielten die Freimaurer neben den Juden eine zentrale Rolle als Feinde. Er war Anhänger einer "Dolchstoßlegende", wonach die militärisch unbesiegten deutschen Armeen durch eine Verschwörung von Freimaurern, Juden und Sozialisten verraten wurden. Diese seien schuld daran gewesen, dass Deutschland den Krieg verloren hatte, und Ludendorff gefiel sich bald nach dem Krieg in den absurdesten Verschwörungstheorien.
Freimaurer und Juden machten auch die russischen Nationalisten für den Sturz des Zarenreiches verantwortlich. Als "Beweis" für ihre obskuren Verschwörungstheorien mussten dann die "Protokolle der Weisen von Zion" herhalten, eine bedeutende antisemitische Schrift, von der man heute weiß, dass sie von Mitgliedern des zaristischen Geheimdienstes "Ochrana" und von exilrussischen Revanchisten selbst gefälscht wurden.
Die Protokolle der Weisen von Zion hatten auch erheblichen Einfluss auf das Denken des Nazichefideologen Alfred Rosenberg. Nach den Juden und den Kommunisten galten die Freimaurer den Nazis als ihre größten Feinde, und Hitler, Himmler und Heydrich betonten immer wieder, dass die Freimaurer vernichtet werden müssen.
In diesem Punkt waren sie übrigens mit den Kommunisten einer Meinung. Toleranz, Humanität, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, das waren Ideen eines "bürgerlichen Liberalismus", der natürlich der Errichtung der "Diktatur des Proletariats" diametral gegenüberstand. Die einzige Ausnahme unter den kommunistischen Staaten bildete Kuba, wo Fidel Castro die Freimaurer nicht verbot.
Entsprechend gross war daher auch die Zahl der von totalitären Regimes, Nazis wie Kommunisten gleichermassen, eingekerkerten oder ermordeten Freimaurer. Dazu gehörten der Journalist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzki, der Politiker Julius Leber und der Gewerkschafter Wilhelm Leuschner. Zu einem ein kuriosen Ereignis kam es 1943, als im KZ Esterwegen belgische Widerstandskämpfer eine Freimaurerloge namens Liberte´ cherie gründeten.
Freimaurer heute
Während es vor dem Krieg 80.000 männliche Mitglieder gab, die in Freimaurerlogen organisiert waren, so sind es heute in Deutschland nur noch 14.000. Freimaurerlogen sind in der Regel wie bürgerliche Vereine organisiert, denen ein Vorsitzender (Meister vom Stuhl) und ein Stellvertreter (Erster und Zweiter Aufseher) vorstehen. In Deutschland sind heute fünf Grosslogen organisiert, die von der Vereinigten Grossloge von England anerkannt sind. Freimaurerlogen sind heute übrigens keine reine Männerdomäne mehr. So gibt es in Deutschland und Frankreich gemischtgeschlechtliche und rein feminine Freimaurerlogen. Unter diesen ist die "Frauengroßloge von Deutschland" von den Vereinigten Großlogen von Deutschland anerkannt. Die liberalen Dachverbände werden vom "Groß Orient von Frankreich (GOdF) anerkannt, dazu gehören auch die gemischtgeschlechtlichen Grosslogen "Freimaurergroßloge Humanitas", Le Droit Humain und der "Souveräne GrossOrient von Deutschland". Die Freimaurerlogen fühlen sich auch heute noch den Idealen der Aufklärung verpflichtet. Eine wichtige Rolle bei der "Verbreitung der Aufklärung" spielt heute ihr Engagement in der Erwachsenenbildung. So sind sie sehr engagiert bei Volkshochschulen tätig, bieten Kurse über Freimaurerei an, veranstalten Tage der offenen Tür und Vorträge. Viele Logen organisieren Büchersammlungen, um sie unentgeltlich oder für wenig Geld Jugend- oder Bildungseinrichtungen zugute kommen zu lassen.
Wer sich für Freimaurer und ihre hochinteressante Geschichte interessiert, dem sei das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth und das Museum der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland im schleswig-holsteinischen St. Michelisdonn empfohlen.


